Politische Partizipation auf Facebook & Co. – Das Beispiel kino.to

Vergangenen Mittwoch wurde die beliebte Videostreaming-Plattform kino.to durch die Polizei vom Netz genommen und mehrere der Betreiber  festgenommen. Kino.to hatte auf illegale Streamhoster verlinkt, die es den Nutzern ermöglichten, urheberrechtlich geschützte Werke kostenlos im Internet anzusehen. Bereits eine Woche zuvor hatte der österreichische Provider UPC die Domain für seine Kunden gesperrt.

Kino.to war die beliebteste und meistbesuchte deutschsprachige Seite für Videostreams (Alexa Traffic Rank 44 in Deutschland). Da das Portal nur auf Videohoster verlinkte, stellte kino.to eine rechtliche Grauzone dar und war daher bisher nie ernsthaft belangbar.

Die jetzt erfolgte Abschaltung ist für Millionen Nutzer ein großes Ärgernis, auch wenn genug Alternativen bestehen. Das Vorgehen der Behörden bzw. der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), die Anzeige erstattet hat, sorgt bei Kritikern für Empörung, die sie auch im Internet über Social Web-Dienste wie Facebook oder YouTube artikulieren. Sie kritisieren im Wesentlichen drei Dinge:

– Kino.to hat nicht selbst die Videos gehostet, sondern nur auf Hoster verlinkt. Als Video-Suchmaschine hat sich kino.to daher keiner Urheberrechtsverletzungen schuldig gemacht. Der Protest reiht sich damit ein in den Diskurs um die Neugestaltung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter.

– Das Abschalten der Domain widerspricht der Freiheit des Internets und ist ein weiterer Schritt in Richtung Zensur

– Die Polizei agiert in einer rechtlichen Grauzone, was dem rechtsstaatlichen Vorgehen nicht entspricht.

Auch die lose Aktivistengruppe Anonymous (hier stellt eine Kollegin die Gruppe vor) ist auf die Sperrung der Seite bereits eingegangen und hat die Webseite der GVU angegriffen.

Zudem wurde bereits eine schier unüberschaubare Zahl an Facebookgruppen mit dem Titel „Wir wollen kino.to zurück“ gegründet, von denen die größten drei bereits über 13 000 Likes auf sich vereinen. Der Online-Protest konnte auch in die Offline-Welt getragen werden: In verschiedenen Städten demonstrierten wütende kino.to-Nutzer gegen die Abschaltung. Auch wenn die Abschaltung von Kino.to zu keinen großen Demonstrationen geführt hat, so ist sie doch eines der (noch) raren Beispiele, bei denen der Online-Protest gegen ein Online-Ereignis in die Offline-Welt getragen wird.

Advertisements

3 Antworten zu “Politische Partizipation auf Facebook & Co. – Das Beispiel kino.to

  1. Hi, weißt du was aus den Betreibern von Kino.to geworden ist? Welche Strafe wurde erteilt? Haben sie eine neue Website unter anderem Namen veröffentlicht?
    lg

  2. Hallo!
    Interessantes Video… Anonymous kommt ja bei diesem Thema öfter vor…im Blog „Homosapiens-FullHD-ensis“ wird etwas genauer darauf eingegangen falls du dir das ansehen möchtest!
    lg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s