Rezension: Good News for the Future?

Bakker, Tom P./ de Vreese, Claes H. (2011): Good News for the Future? Young People, Internet Use, and Political Participation. In: Communication Research, August 2011 vol. 38, no. 4, pp. 451-471. Abstract unter: http://crx.sagepub.com/content/38/4/451

In ihrem Artikel untersuchen Bakker und de Vreese den Zusammenhang zwischen der Nutzung bestimmter Medien (Zeitung, Fernsehen, Internet) und Formen von politischer Partizipation im Web und Offline. Die forschungsleitende Frage ist dabei, wie und ob die Mediennutzung politische Partizipation beeinflusst, d.h. ob Mediennutzung politische Partizipation bewirken kann.

Dieser Zusammenhang wurde in einer quantitativen Online-Befragung in den Niederlanden untersucht (n=2409), befragt wurden 16 bis 24 Jährige. Zusammenfassend identifizierten die Autoren mittels multipler Regressionsanalysen generell positive Korrelationen zwischen Mediennutzung und politischer Partizipation von Jugendlichen, wobei die Internetnutzung stärker mit politischer Partizipation korreliert. Dabei können sie die Hypothese entkräften, dass die Dauer der Mediennutzung eine Rolle spielt, und finden stattdessen Hinweise, dass eher die Art des genutzten Mediums Einfluss hat.

Besonders hervorzuheben ist die gut recherchierte Einführung in den Forschungsstand zum Thema Jugend und politische Partizipation im Internet. Den Autoren gelingt es, die Forschung zu dem umfangreichen Thema und seine wesentlichen Problemfelder und Argumentationslinien knapp, aber dennoch umfassend vorzustellen. Für ihre Arbeit legen sie dann einen weiten Politikbegriff zugrunde, mit dem sie in ihrem Verständnis von „political participation“ auch Partizipationsformen einschließen können, die abseits der traditionellen, institutionalisierten Wege wie Parteien, Verbände etc. liegen. Diese Offenheit trägt einem seit längerem geforderten Paradigmenwechsel im Verständnis von politischer Partizipation Rechnung. Unter politischer Partizipation (gerade im Internet!) müssen auch flexible, zeitlich nicht gebundene Formen wie unorganisierte Aktionen und spontane, themenbezogene Teilhabe gefasst werden (vgl. deRijke 2009: 231, Paus-Hasebrink 2008: 136, 147). Die Autoren lassen jedoch eine eindeutige und tragfähige Definition des Begriffes der politischen Partizipation vermissen.

Ein zentrales, übergreifendes Ergebnis der Studie ist, dass „‘being connected’ online“ (Bakker/deVreese: 465) positiv mit online- und offline-Partizipation korreliert. Führt man diese Erkenntnis weiter, so wird deutlich, dass Internetnutzung zu einem integralen Bestandteil politischer Partizipation (nicht nur) der Jugend geworden ist, und das Internet eine gewichtige Rolle in den politischen Partizipationsformen spielt.

Methodisch ist die Arbeit sauber und nachvollziehbar aufgesetzt, die Formulierung der Hypothesen erfolgt literaturgestützt und ist damit theoretisch gut fundiert. Nicht näher erläutert wird die Auswahl der Altersspanne der 16-24-Jährigen. Diese Altersgruppe wird zwar in vielen Untersuchungen zum Thema zugrunde gelegt, dennoch wäre eine kurze Reflexion der Auswahl wünschenswert. In der Operationalisierung von „political participation“ agieren die Autoren etwas unglücklich, was mit der unklaren Definition des Begriffes zu tun hat. So sprechen sie die Partizipation über soziale Netzwerkdienste wie Facebook oder in Blogs zwar an, nehmen sie allerdings nicht in ihre Operationalisierung mit auf.

Nicht zu klären bleibt auch in dieser Studie die „Gretchenfrage“ der Wirkungsforschung, da die Richtung des Zusammenhangs von Mediennutzung und politischer Partizipation nicht genau geklärt werden kann. Anders formuliert: Bewirkt häufige Mediennutzung politische Partizipation oder nutzen Menschen, die politisch partizipieren, häufiger Medien? Hervorzuheben ist allerdings, dass die Autoren diesen (und weitere) Kritikpunkte nicht aussparen, sondern in ihrer Diskussion der Ergebnisse ansprechen.

Ergänzend bzw. weiterführend wäre eine qualitative Untersuchung sinnvoll, bei der Jugendliche nach ihrer Wahrnehmung von politischer Partizipation im Internet und über Art und Häufigkeit ihrer eigenen Partizipationsformen befragt werden.

Literatur:

DeRijke, Johann (2009): Politische Partizipation Jugendlicher und junger Erwachsener: Altes und Neues. In: Kaspar, Hanna (Hg.): Politik – Wissenschaft – Medien. Festschrift für Jürgen W. Falter zum 65. Geburtstag. Wiesbaden: VS Verlag, S. 221-237. (Wenig Bezug zum Internet, aber sehr grundlegend und aktuell).

Paus-Hasebrink, Ingrid (2008): Zur politischen Partizipation von Jugendlichen im Kontext neuer Medien — Aktuelle Ansätze der Jugend(medien)forschung. In: Moser, Heinz/ Sesink, Werner/ Meister, Dorothee/ Hipfl, Brigitte/ Hug, Theo (Hg.): Medien. Pädagogik. Politik. Jahrbuch Medienpädagogik 7. Wiesbaden, VS Verlag, S 133-150.

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