Rezension: Partizipation im und mit dem Social Web

Wagner, Ulrike/ Gerlicher, Peter/ Brüggen, Nils (2011): Partizipation im und mit dem Social Web – Herausforderungen für die politische Bildung. Expertise für die Bundeszentrale für politische Bildung. München: JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Online unter: http://www.jff.de/dateien/Expertise_Partizipation_Im_Social_Web.pdf

In ihrer Expertise für die Bundeszentrale für politische Bildung gehen Wagner, Gerlicher und Brüggen drei Fragen nach, die den Aufsatz strukturieren. Sie fragen zunächst, mit welchen „Werkzeuge[n], Kommunikationskanäle[n] und –angebote[n]“ (Wagner/ Gerlicher/ Brüggen 2011: 8) Partizipation im Netz für Jugendliche vollzogen werden kann, wie und welche medialen Räume die Jugendlichen dabei selbst gestalten können und gehen anschließend auf die Frage nach den Konsequenzen für die praktische Bildungsarbeit nach.


Als Basis dient den Autoren eine gut recherchierte und passgenau anwendbare theoretische Basis, die politische Partizipation breit versteht, indem sie einen weiten Politikbegriff verwendet, der neben politischen auch soziale und kulturelle Möglichkeiten der Teilhabe umfasst. Neben dieser Definition von Partizipation bedienen sich die Autoren beim Lebenswelt-Konzept und Ansätzen zum Sozialraum. Somit ist Partizipation für sie ins alltägliche (Medien-)Handeln eingebunden und vor allem ein wichtiger Teil der Identitätsgenese von Jugendlichen. Sie kann nicht abgetrennt von Bildung in einem breiteren Sinne verstanden werden, sondern vollzieht sich auf allen Ebenen der Jugendlichen Lebenswelt. Besonders hervorzuheben ist zudem, dass die Autoren auf eine Trennung von online- und offline-‚Welt‘ bzw. ‚virtuell‘ und ‚real‘ verzichten. Sie plädieren stattdessen für ein Verständnis, das virtuelle und reale Welt als sich ergänzende Sphären ohne eindeutige Trennung konzipiert. Zudem verwenden sie ein Stufenmodell von Partizipation, das neben Teilhabe, Mitbestimmung und Selbstbestimmung auch sog. „Fehlformen“ beachtet, in denen Jugendliche Partizipation nur als Dekoration verwendet wird. Dieses Modell eröffnet somit auch eine kritische Perspektive, wie sie etwa bei Livingstone (siehe dazu diese Rezension) bereits eröffnet wurde.

Neben dem umfassenden theoretischen Teil, der verschiedene Modelle und Herangehensweisen an politische Partizipation überzeugend integriert, haben die Autoren verschiedene online-Partizipationsangebote für Jugendliche entlang der Kategorien ‚AkteurInnen‘, ‚Handlungsmöglichkeiten der Nutzenden‘, ‚Resonanzmöglichkeiten‘, ‚Ziele des Angebots‘ und ‚Reichweite der Entscheidungen‘ analysiert. Aus ihrer Analyse leiten sie Empfehlungen für die Gestaltung von Beteiligungsangeboten ab. Abschließend gießen die Autoren ihre Erkenntnisse in übergreifende Thesen für die politische Bildungsarbeit.
Auch wenn es sich bei der Expertise nicht um einen wissenschaftlichen Artikel im engeren Sinn handelt, sondern eben um eine Expertise für eine staatliche Einrichtung, so ist der vorliegende Artikel doch ein sehr guter Grundlagenbeitrag zum Thema der politischen Partizipation Jugendlicher im Internet. Verdienstvoll sind insbesondere der theoretische Teil und die Definition von Partizipation, die beide auf aktuellem Stand sind und eine gute Einführung in die relevanten theoretischen Konzepte von Lebenswelt bis Medienkompetenz bieten. Wer sich mit dem Thema beschäftigen möchte, findet hier die wesentlichen theoretischen Konzepte klar und nachvollziehbar dargestellt.
Wünschenswert wäre allenfalls noch eine umfassendere Einführung zum Forschungsstand bzw. zu einschlägigen Studien, diese Auslassung ist aber wohl der Art des Textes geschuldet.

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Eine Antwort zu “Rezension: Partizipation im und mit dem Social Web

  1. Hallo Fabi,

    möglicherweise kann dir diese Veröffentlichung von Dürager/Livingstone (2012): How can parents support children’s internet safety?
    (http://www.eukidsonline.de/ParentalMediation.pdf)
    auch als Teil für das Projekt III dienen, indem du auch die möglichen Gefahren der (politischen) Partizipation von Jugendlichen im Internet aufgreifst. Denn sicherlich sollten auch derartige Aspekte betrachtet werden. Zwar hängt dies mit Sicherheit nicht unmittelbar mit deiner eigentlichen Themenstellung zusammen, aber als kleiner Gedankenanstoß vielleicht auch hilfreich.

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