Rezension: Politische Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Gaiser, Wolfgang/ Gille, Martina/ deRijke, Johann (2006): Politische Beteiligung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In: Hoecker, Beate (Hg.): Politische Partizipation zwischen Konvention und Protest. Opladen: Verlag Barbara Budrich, S.211-234.

Der Beitrag von Gaiser/ Gille/ deRijke stellt empirische Daten zur politischen Partizipation Jugendlicher vor. Die Autoren beginnen dabei bei der politischen Involviertheit von Jugendlichen, die sie über Interesse an Politik, Wichtigkeit von Politik für das eigene Leben und Information und Kommunikation über Politik festmachen. Anschließend stellen sie unterschiedliche Formen politischer Partizipation dar und gehen auf aktuelle Wandlungsprozesse ein. Als Basis dienen die Daten des DIJ Jugendsurveys.

Die Autoren kommen dabei zu dem Schluss, dass unter den Jugendlichen keine nennenswert höhere Politikverdrossenheit als früher besteht. Das Interesse an Politik verläuft immer wechselhaft, aber ein klarer Rückgang ist aufgrund der hier verwendeten Daten nicht auszumachen. Politisches Interesse und politische Partizipation ist stark abhängig von Alter, Bildung und Geschlechtszugehörigkeit (je älter, desto höher, je höhere Bildung desto höher und Männer tendenziell mehr als Frauen). Ein Rückgang lässt sich allerdings bei institutionalisierten Formen der Partizipation (Parteien etc.) beobachten, neue soziale Bewegungen und Initiativen sind dagegen konstant.

Besonders interessant ist das Kapitel zum Wandel der politischen Partizipation von Jugendlichen. Die Autoren identifizieren hier eine deutliche Vorliebe für Partizipationsformen, die nicht institutionalisiert sind, nicht fest organisiert und strukturiert und nicht regelmäßig sind. Sie präferieren flexible und „im Zusammenhang mit besonderen Anlässen stehende Organisationsformen“ (Gaiser/Gille/deRijke 2006: 230). Partizipation für Jugendliche ist daher mit einem gewissen Performanz-Charakter verbunden, soll auch Spaß und Aktion beinhalten. Hier liegt es nahe, dass Internet als ein Medium zu begreifen, dass genau diese flexiblen Partizipationsformen bieten kann, aufgrund der vorliegenden Daten können die Autoren hier jedoch nicht genauer darauf eingehen. Trotzdem sind diese Erkenntnisse als Grundlage für die Beschäftigung mit politischer Partizipation im Internet eminent wichtig.

Als Einstiegsbeitrag ist der Artikel besonders zu empfehlen, da er auf einer verlässlichen Datenbasis die wesentlichen Entwicklungslinien in der politischen Partizipation Jugendlicher darstellt und den Mythos der ‚Politikverdrossenheit‘ entkräften kann. Er verweist zudem auf eine Vielzahl weiterer Literatur, die zur Recherche herangezogen werden kann.

Eine geringe Rolle spielen theoretische Überlegungen und der Forschungsstand zum Thema. Dies ist allerdings in einem Sammelbandbeitrag mit dieser Zielsetzung auch nicht zu erwarten, dazu dienen andere Beiträge im Band. Auch diese sind als Einführung in das Thema der politischen Partizipation Jugendlicher zu empfehlen, allerdings fokussiert nur einer der Beiträge explizit auf das Internet.

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