Rezension: The Internet and youth political participation

Kann, Mark E./ Berry, Jeff/ Gant, Connor/ Zager, Phil (2007): The Internet and youth political participation. In: First Monday, vol. 12, no. 8. Online unter: http://firstmonday.org/article/view/1977/1852 (22.01.2012).

Kann et al. beschreiben in ihrem Artikel drei Online-Partizipationsformen, die sie als mögliche Phänomene sehen, die politische Partizipation von Jugendlichen fördern können. Sie setzen sich mit participatory culture, political consumerism und civic engagement auseinander.

Die Autoren gehen von participatory culture nach Jenkinks aus, der Beteiligung aller Art im Internet als eine Form der Partizipation versteht (Videos hochladen, Problemlösen in der Gruppe in Online-Spielen, etc.). Durch diese neue Kultur der Partizipation und des Zusammenarbeitens entsteht laut den Autoren das Potenzial, dass Jugendliche sich stärker politisch engagieren. Sie lernen Kernkompetenzen für die Teilhabe, kollaboratives Problemlösen etc., zudem trägt die partizipative Kultur zur politischen Mobilisierung bei.

Political Consumerism, also die Entscheidung für oder gegen bestimmte Produkte aufgrund politischer Motive, sehen die Autoren als eine weitere Form der Partizipation. Nicht nur der Akt des Kaufens wird hier in Betracht gezogen, sondern vor allem nach- bzw. vorgelagerte Kommunikation wie Feedback an die Unternehmen, Diskussionen mit Freunden und die Teilhabe an Konsumenten-Organisationen. Das Internet senkt hier vor allem die Hürden für Partizipation, macht es leichter „gute“ Produkte zu finden, etc.

In ihrem dritten Punkt, den sie mit civic engagement überschreiben, gehen Kann et al. auf die Teilhabe von Jugendlichen an Partizipationsangeboten von Politikern ein, die ihnen eine direkte Verbindung zur Politik und die einfachere Teilhabe an Entscheidungsprozessen ermöglichen.

Der Artikel erweitert die Perspektive auf politische Partizipation im Internet, indem er drei Phänomene darstellt, die in der Online-Kultur derzeit auszumachen sind, die in den meisten Artikeln jedoch nicht unter politische Partizipation gerechnet werden. Insbesondere der Hinweis auf die participatory culture als ‚Vorform‘ und gewissermaßen ‚Übungsfeld‘ für politische Partizipation ist dabei interessant, und bietet Ansatzpunkte für weitere Forschung. Der Einblick ist für die Diskussion sehr fruchtbar und betont vor allem, dass mit dem Internet die Hürden für politische Beteiligung auf allen Ebenen sinken. Es wird deutlich, dass politische Partizipation im Internet vielschichtig ist, und dass wir derzeit erst am Anfang eines Veränderungsprozesses stehen, in dem das Internet eine wichtige Rolle spielt.

Allerdings stellt der Artikel im Wesentlichen Fallbeispiele dar, die allenfalls als Indizien gewertet werden können. Daraus eine allgemeine Gültigkeit abzuleiten, ist nicht zulässig, wird von den Autoren aber teilweise vorgenommen. Der Text wirkt daher in manchen Teilen beinahe anekdotenhaft und unvollständig, da er zudem den Forschungsstand zum Thema nicht reflektiert, politische Partizipation nicht definiert und kaum Bezüge zu aktueller Forschung herstellt, die nicht die jeweils präsentierten Fallbeispiele unterstützt. Zudem ist beim ersten Gliederungspunkt im Text die falsche Überschrift verwendet worden – ein Detail zwar, jedoch ein Flüchtigkeitsfehler, der einem peer-reviewed journal nicht unterlaufen sollte, zumal er bei einem Online-Journal schnell zu beheben wäre.

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