Kernthesen aus der Literaturrecherche

Aus der rezensierten Literatur lassen sich fünf wesentliche Kernthesen ableiten, die sich mehr oder weniger stark ausgeprägt in allen vorgestellten Texten wiederfinden.

1.     Jugendliche sind nicht politikverdrossen. Keine empirische Studie findet belastbare Beweise, dass das Interesse an Politik signifikant abgenommen hat, kleinere Schwankungen im Zeitverlauf treten immer auf und sind beispielsweise auf besondere (politische) Ereignisse kurz vor oder während einer Befragung zurückzuführen. Zudem muss kritisiert werden, dass quantitative Erhebungen häufig Single-Item Fragen zur Bestimmung des Interesses an Politik heranziehen (z.B. „Interessieren Sie sich für Politik?“). Mit dieser Herangehensweise kann politisches Interesse nicht ernsthaft ermittelt werden.

2.     Politik darf nicht eingeschränkt als die etablierte Politik von Parteien und Institutionen begriffen werden. Jugendliche interessieren sich für eine Vielzahl an gesellschaftlich relevanten Themen wie Krieg, Armut, soziale Probleme, Kultur usw. Mit einem breiten Politikbegriff, der politische Teilhabe auch als Teilhabe an sozialen und kulturellen Sphären begreift, kann dieses Interesse auch als politische Partizipation verstanden werden.

3.     Politische Partizipation Jugendlicher vollzieht sich online wie offline. Eine strikte Trennung beider Sphären greift zu kurz, sie sind vielmehr als interdependent zu betrachten, da das Internet mittlerweile fester Bestandteil des Alltags (nicht nur) von Jugendlichen ist.

4.     Eine rein quantitative Erhebung von Partizipationsformen Jugendlicher reicht nicht aus, um die vielschichtigen und komplexen Formen von Teilhabe verstehen zu können. Qualitative Studien sind noch Mangelware, in einem Zeitalter der zunehmenden Pluralisierung der Lebensformen, von Individualisierung und rasanten technischen, sozialen wie interaktionalen Veränderungen im Internet sind sie aber unumgänglich.

5.     Derzeit kann noch kaum abgeschätzt werden, wie sich politische Partizipation durch und mit dem Internet verändern wird. Es besteht aus empirischer Sicht kein Grund für Euphorie im Sinne einer deutlichen Steigerung politischer Partizipationsformen, ebenso besteht kein Grund für Pessimismus. Es kann jedoch festgehalten werden, dass die Möglichkeiten zu politischer Partizipation mit dem Internet zugenommen haben, ob sie auch genutzt werden bzw. wie sie genutzt werden, muss allerdings noch erforscht werden. Derzeit scheint eher die sog. Reinforcementthese zuzutreffen, nach der sich Online-Partizipation und Offline-Partizipation gegenseitig verstärken (vgl. Hoecker 2006: 290).

Literatur:

Hoecker, Beate (2006): Mehr Partizipation via Internet? In: Hoecker, Beate (Hg.): Politische Partizipation zwischen Konvention und Protest. Opladen: Verlag Barbara Budrich, S. 289-307.

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